{"id":307,"date":"2022-09-29T06:51:38","date_gmt":"2022-09-29T06:51:38","guid":{"rendered":"https:\/\/urbanicom.de\/?p=307"},"modified":"2022-09-29T06:52:58","modified_gmt":"2022-09-29T06:52:58","slug":"innenstaedte-muessen-gut-erreichbar-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/urbanicom.de\/?p=307","title":{"rendered":"Innenst\u00e4dte m\u00fcssen gut erreichbar bleiben"},"content":{"rendered":"\n<p>Artikel von Michael Reink, <strong>gesch\u00e4ftsf\u00fchrendes Vorstandsmitglied urbanicom e.V.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zurzeit lesen wir viel \u00fcber die Frage, wie Innenst\u00e4dte zukunftssicher gemacht werden k\u00f6nnen. Das Thema \u201eMultifunktionalit\u00e4t\u201c steht dabei ganz oben auf der Agenda. Auch die Innenstadtstrategie des Bundesministeriums f\u00fcr Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, an der ich mitarbeiten darf, ist stark von diesem Gedanken gepr\u00e4gt. Und ja, die St\u00e4rkung der Multifunktionalit\u00e4t ist bestimmt geeignet, um die Innenst\u00e4dte resilienter zu machen, da die Schw\u00e4che einer innerst\u00e4dtischen Funktion aufgrund der Anzahl anderer Funktionen ausgeglichen werden kann. Dies gilt auch, obwohl nicht alle innerst\u00e4dtischen Funktionen \u00fcber die gleiche \u201eHeilungswirkung\u201c verf\u00fcgen (Sogwirkung, Wertsch\u00f6pfung, Imagefaktor und so weiter).<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dabei d\u00fcrfen wir jedoch einige grundlegende Parameter einer gut funktionierenden Innenstadt nicht au\u00dfer Acht lassen. Hierzu geh\u00f6rt in jedem Fall die Erreichbarkeit der Innenst\u00e4dte. Wenn diese nicht optimal gestaltet ist, muss die Anziehungskraft der Innenstadt durch ihre funktionale Ausstattung sowie bauliche Attraktivit\u00e4t umso h\u00f6her sein. Die Erreichbarkeit ist daher das Nadel\u00f6hr einer funktionierenden Innenstadt.<\/p>\n\n\n\n<p>DIE \u201eAUTOGERECHTE\u201c STADT WIRFT LANGE SCHATTEN<br>Die Frage einer guten Erreichbarkeit konnte man vor zehn oder zwanzig Jahren noch eindeutig beantworten. Insbesondere in der Stadt der Moderne mit dem Leitbild der autogerechten Stadt, wurde die Entwicklung anderer Verkehrstr\u00e4ger in den Hintergrund gedr\u00e4ngt und entsprechend Infrastrukturen f\u00fcr den ruhenden und flie\u00dfenden Verkehr geschaffen. Diese wirken st\u00e4dtebaulich und bei der Verkehrsmittelwahl bis heute nach.<\/p>\n\n\n\n<p>KLIMAGERECHTE LEITBILDER &amp; MOBILIT\u00c4TSWANDEL<br>Unsere Leitbilder haben sich aber ge\u00e4ndert, so dass wir heute an der klimagerechten Stadt sowie an die Entwicklung unserer Innenst\u00e4dte als \u201eThird Place\u201c arbeiten. Daher flie\u00dfen in den Innenst\u00e4dten zwei sich bestenfalls erg\u00e4nzende Str\u00f6mungen zusammen: der Stadtumbau mit mehr \u201eGr\u00fcn und Blau\u201c sowie der Mobilit\u00e4tswandel. Beide Leitbilder m\u00fcssen jedoch auf der beschriebenen st\u00e4dtebaulichen und funktionalen Grundlage aufbauen. Dabei sind die Voraussetzungen in den St\u00e4dten sehr unterschiedlich. Was alle St\u00e4dte jedoch eint, ist die Tatsache, dass wir es hier mit einer massiven Ver\u00e4nderung des bestehenden Systems zu tun haben. Wir befinden uns daher am Anfang eines insbesondere f\u00fcr die Kommunen langfristigen, teurer, kontroversen und aufw\u00e4ndigen Prozesses. Dabei formieren sich schon heute die unterschiedlichen Lager von Bef\u00fcrwortern dogmatischer L\u00f6sungen. Die einen verteufeln z.B. den motorisierten Individualverkehr, die anderen k\u00f6nnen sich eine Zukunft ohne das Automobil nicht vorstellen. Die gute Erreichbarkeit der Innenst\u00e4dte wird sich jedoch nicht allein an der Zukunft des motorisierten Individualverkehrs orientieren k\u00f6nnen. Allein die Stadtgr\u00f6\u00dfe beziehungsweise die Beschaffenheit des Einzugsgebietes wird die Kommunen zu sehr individuellen L\u00f6sungen zwingen, da zum Beispiel die Bev\u00f6lkerung in l\u00e4ndlichen R\u00e4umen viel weniger vom \u00d6PNV-Angebot profitieren wird, als die Bev\u00f6lkerung in den hochverdichteten Gebieten. Menschen werden demnach in vielen Landesteilen auf Dauer auf das Auto angewiesen sein \u2013 zumindest f\u00fcr Teilstrecken. Dabei wird die Dekarbonisierung des motorisierten Individualverkehrs nur die Schadstoffbelastung in den Innenst\u00e4dten reduzieren. Der Fl\u00e4chenbedarf bemisst sich jedoch immer noch nach den Kubikmetern \u201eBlech\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>FL\u00c4CHENBEDARF ERFORDERT ENTZERRUNG DER VERKEHRE<br>Dieser Fl\u00e4chenbedarf entsteht aber nicht nur \u00fcber den Kunden-, sondern auch \u00fcber den Lieferverkehr mit stetig steigenden Transportvolumina. Diese steigende Verkehrsdichte trifft insbesondere in den Innenst\u00e4dten auf ein final ausgebautes Verkehrsnetz, dessen R\u00fcckbau (Abkehr von der autogerechten Stadt) \u00f6fter diskutiert wird, als deren Ert\u00fcchtigung. Wir werden demnach auch \u00fcber die Entzerrung der Verkehre, sprich \u00fcber die Verlagerung bestimmter Verkehre in die Nachtstunden nachdenken m\u00fcssen. So werden etwa in den Niederlanden seit Jahren viele Lieferverkehre (auch des Einzelhandels) erfolgreich und vertr\u00e4glich in die Nachstunden verlagert. Hierzu werden die Fahrzeuge und das Lieferpersonal speziell f\u00fcr die \u201eleise Logistik\u201c zertifiziert. Hinzu kommen in der j\u00fcngeren Vergangenheit und unmittelbaren Zukunft Ver\u00e4nderungen im stra\u00dfengebundenen Verkehr zum Beispiel \u00fcber Car-Sharing-Modelle, sinnfreie E-Scooter oder auch das autonome Fahren. Gerade letzteres hat die Kraft, das Verbraucherverhalten zu ver\u00e4ndern und der Verkehrsplanung neue Fragen zu stellen: Wozu ben\u00f6tigen wir Parkh\u00e4user? Wie hoch ist der Fl\u00e4chenbedarf f\u00fcr den ruhenden Verkehr? Wieso gibt es massenhaft Fahrzeuge als mobile Litfa\u00dfs\u00e4ulen? Wie hoch ist die Dichte von autonomen Kleinsttransportern? Wie gro\u00df darf ein autonomes Fahrzeug sein, damit es auf dem B\u00fcrgersteig oder Radweg fahren darf?<br>Verlagerungspotenziale bestehen jedoch auch in der schienengebundenen urbanen Logistik. Jedoch stehen wir hier nahezu am Beginn der Erkenntnisgewinnung. Auch die Verlagerung der letzten Meile auf das Lastenrad gibt uns neue M\u00f6glichkeiten. Die Potenziale d\u00fcrfen aber auch nicht \u00fcbersch\u00e4tzt werden, wobei das Fahrrad garantiert ein wichtiger Verkehrstr\u00e4ger im Kunden- Lieferverkehr der Zukunft sein wird.<\/p>\n\n\n\n<p>FUNKTIONSVERLUSTE BEIM STADTUMBAU VERMEIDEN<br>Alles in allem: Wir \u00e4ndern ein System mit vielen unterschiedlichen Parametern.<br>Dabei ist zu beachten, dass w\u00e4hrend dieses Prozesses die funktionale St\u00e4rke der Innenst\u00e4dte nicht leidet. Es besteht die Gefahr, dass zu gro\u00dfe Funktionsverluste hingenommen werden m\u00fcssen und die Funktionen mit hoher Sogwirkung, wie der Einzelhandel oder die Gastronomie, nicht mehr bestehen. Der Stadtumbau und der Mobilit\u00e4tswandel sind \u201eOperation am offenen Herz\u201c, an deren Ende der Patient Innenstadt \u00fcberleben muss. Sonst nutzen uns die Umbauprozesse nichts. Stadtumbau und der Mobilit\u00e4tswandel sind nur Zweck, aber nicht die eigentliche Zielstellungen.<br>Das Ziel sind zukunftsf\u00e4hige, resiliente, st\u00e4dtebaulich und funktionell funktionierende Innenst\u00e4dte, die ich mir ohne den Einzelhandel mit seiner hohen t\u00e4glichen Anziehungskraft nicht vorstellen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>(zuerst erschienen in &#8222;<a href=\"https:\/\/www.dstgb.de\/publikationen\/dstgb-magazin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stadt und Gemeinde digital<\/a>&#8222;, die Zeitschrift des Deutschen St\u00e4dte- und Gemeindebundes Ausgabe 03\/2022)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel von Michael Reink, gesch\u00e4ftsf\u00fchrendes Vorstandsmitglied urbanicom e.V. Zurzeit lesen wir viel \u00fcber die Frage, wie Innenst\u00e4dte zukunftssicher gemacht werden k\u00f6nnen. Das Thema \u201eMultifunktionalit\u00e4t\u201c steht dabei ganz oben auf der Agenda. 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